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Erst die, die von der Norm abweichen, machen die Welt besonders
 

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Immer wieder Fukushima...

...denn, wie das Motto der Demo, auf der ich gestern war, so schön lautete: Fukushima ist überall! So etwas kann überall passieren, da können mir die Politiker noch so oft erzählen, dass unsere AKWs sicher sind. Die Demo war klasse, es wurde zwar auch richtig gebrüllt, aber keine Schimpfwörter oder Hasstiraden, sondern eigentlich nur die berühmt-berüchtigte Parole: ABSCHALTEN! Und einige, darunter ich, haben gemerkt, dass sie keine Kondition haben Aber es hat sich herausgestellt, dass es wie beim Sport ist: Wenn man erstmal richtig dabei ist, ist es nicht mehr so anstrengend und man kann es noch mindestens eine halbe Stunde bis Stunde so weitermachen, ohne, dass man müde wird. Das ist eben Ausdauersport und ich hab das vorallem beim Joggen oder Schwimmen gemerkt.

Das Problem beim Brüllen ist nur, dass einem irgendwann die Stimme wegbleibt, aber dann macht man kurz Pause und es geht wieder Was ich besonders toll fand, war, dass auch gesungen wurde. Dazu haben die Demoleiter und auch ein paar andere einige Lieder umgedichtet und eine von den Demoleitern hat mit der Querflöte dazu gespielt - ziemlich gut sogar. Klingt alles Weichei-mäßig, find ich aber irgendwie genau richtig. Denn auch, wenn wir scheißwütend und hilflos und traurig sind, was hilft es uns, gegen die Politiker und Lobbyisten, die nur ihr Geld im Hirn haben, lauthals zu wettern und zu rufen, was für Arschlöcher sie doch sind. Gar nichts bringt es uns, weil wir damit beweisen, dass wir unfähig sind, dass wir uns nicht unter Kontrolle haben und uns verhalten, wie Kleinkinder. Damit wären wir übrigens auf dem Niveau mancher Politiker und das muss ja nun mal gar nicht sein. Okay, vllt habe ich mir grade selbst widersprochen, weil ich ja sagte, dass Beleidigen nichts bringt. Okay, auch ich bin nur ein Mensch und kann mir Beleidigungen manchmal nicht verkneifen. Und teilweise finde ich persönlich den Vergleich einfach passend. Denn wer immer nur nach Geld und Macht strebt, ohne dabei Rücksicht auf sein Umfeld und die möglichen Folgen und Risiken zu nehmen, obwohl sie offen vor einem liegen, erweckt bei mir die Vorstellung von einem kleinen Kind, das unbedingt jetzt gerade im Moment sein Spielzeug haben will und deswegen so lange plärrt und weint, bis es das Spielzeug endlich hat. Die Dimensionen sind natürlich andere, aber vom Prinzip her passt es, finde ich. Aber gut, soviel dazu.   

Ich fand es jedenfalls wirklich passend, dass auch gesungen wurde, zumal die Lieder wirklich traurig klangen. Ach ja, eine Schweigeminute für Japan gab es auch. Daran merkt man auch echt, wie ernst die ganze Sache ist. Es haben auch noch eine Studentin und ein Maschinenbauingeneur, der ehemals in einem AKW gearbeitet hat, es aber dann sein gelassen hat, weil es ihm zu gefährlich wurde, ein paar Worte gesagt und auch das, muss ich sagen, find ich ziemlich klasse, dass sie sich einen Mann vom Fach dazu geholt haben. So merkte man auch, dass es seine seriöse Sache war und ein sinnloser Aufmarsch von ein paar Wichtigtuern. Die gibt es ja unter Demonstranten leider oft genug.  

So, hier noch ein paar Sprüche, kurze Lieder, Internetseiten und weitere Termine:  

Wir sind hier!

Wir sind nicht still!

Weil man uns verstrahlen will!  

 

Wir wollen keine Atomkraft 

Wir wollen keine Atomkraft 

Wir wollen keine Atomkraft 

Wir wollen leben, leben,

Lachen wollen wir   

 

Wehrt euch, leistet Widerstand 

Gegen die Atomkraft hier im Land! 

Haltet fest zusammen! 

Haltet fest zusammen! 

Haltet fest zusammen  

Wehrt euch, leistet Widerstand!  

 

Der nächste Demo-Termin ist bald, nämlich am 26,03. in Berlin, Köln und Hamburg. Da sind Großdemonstrationen   

Danach: 09.04. Bundesweiter, dezentraler Aktionstag: Atom-Alarm! 

Anschließend: 25.04. 25 Jahre Tschernobyl! Bundesweite Demonstrationen an 13 AKWs u. a. Biblis  

Petition für den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft: www.sofort-abschalten.de  

Ansonsten: www.atomausstieg-selbermachen.de und für Marburger: www.anti-atom-marburg.de    Die Demos werden weitergehen und ich hoffe, die Menschen, die Bürger, das Volk, wie auch immer, lernen etwas daraus, wenn schon nicht die Politiker. Die werfen uns ein paar Brocken hin mit ihrem Moratorium, auf dass wir uns mit ihnen zufrieden geben und bei den Landtagswahlen und natürlich bei der nächsten Bundestagswahl doch wieder die CDU wählen. Ich sage nicht, dass die CDU und alle Atomkraftbefürworter von grundauf unrecht haben, nur sie kapieren nicht, was Sache ist. An sich ist die Kernkraft umweltfreundlich, denn sie produziert kein CO_2. Aber der radioaktiv verstrahlte Müll kann nirgendwo endgelagert werden, das ist bei unserem Planeten einfach nicht möglich. Außerdem dauert es, wenn ein AKW dann mal abgeschaltet wird, über fünfzehn Jahre, um es zurückzubauen, sodass es nicht mehr strahlt. Wissen das die Leute überhaupt? Wer bitte, will sich freiwillig einer solchen Gefahr aussetzen? Was klar ist, ist, dass die meisten Menschen nicht darüber bescheid wissen, wie fehlerhaft unsere Kernkraftwerke waren. Unser Politiklehrer hat uns vergangene Woche ein Protokoll vom AKW Biblis vorgelesen (ich glaub, es war Biblis A, aber ich weiß es nicht mehr genau), von sogenannten meldepflichtigen Ereignissen, sprich Störfällen im AKW von einem Jahr vorgelesen. Es waren an die 65 Fälle. Mal war die Außenhülle vom Reaktor undicht, dann haben die Steuerstäbe nicht richtig funktioniert, dann war ne Pumpe ausgefallen, lauter solche Späße. RWE und Vattenfall haben sich dann gegenseitig der Fahrlässigkeit beschuldigt, na klar, keiner will's gewesen sein, es war immer der andere. An solchen Dingen merkt man schon, wie die Konzerne immer versuchen, alles zu vertuschen, damit die Bevölkerung schön weiter an die Atomkraft glaubt, aber genauso merkt man, wie fehlerhaft die AKWs auch bei uns sind. Da soll mir keiner erzählen, dass da erst ein Erdbeben und ein Tsunami kommen müssen, um das Ding kaputtzumachen, das kann ganz leicht auch so passieren, so fehlerhaft, wie unsere Kraftwerke sind. Übrigens hätte man das mit Fukushima echt vorhersehen können. Das Erdbeben war angekündigt, die Wissenschaftler haben das berechnet, dass genau diese Platten aufeinanderknallen würden, und, da ist es passiert und alle wundern sich. Tja, die japanische Bevölkerung hat jetzt den Schaden und diejenigen, die ihn verursacht haben, sind in Sicherheit. Die Techniker, die da bis zum Schluss im AKW Fukushima geblieben sind, sind so gut wie tot und wer weiß, ob sie freiwillig dort waren. Da soll mir auch keiner erzählen, die Japaner wären ja so unendlich leidensfähig. Und was die Behauptung angeht, das Unglück hätte nur durch das Erdbeben hervorgerufen werden können: Warum baut man dann ein AKW in einer vom Erdbeben bedrohten Region? Was jetzt noch folgt, ist wahrscheinlich noch lange nicht der Gipfel, obwohl es so aussieht: Tepco hatte Protokolle gefälscht, die besagen, dass sie Sicherheitsüberprüfungen des AKWs durchgeführt hätten - und die Regierung wusste davon. Eigentlich hätte man es dem Ministerpräsidenten ansehen können, als er seine Reden hielt, besonders die, kurz nachdem es passiert ist. Man hätte das schlechte Gewissen in seinen Augen sehen können. Mir zumindest kommt es im Nachhinein so vor, als hätte man da etwas sehen können, aber ich will mich nicht damit brüsten, vllt erzähle ich scheiße und den kümmert das nicht.  

Tja, die lieben AKW-Betreiber könnten natürlich ihre Kraftwerke auf Sicherheit überprüfen und immer wieder auf den neuesten Stand bringen lassen. Wäre ja auch in ihrem Interesse, denn wahrscheinlich haben sie selbst wenig Interesse daran, verstrahlt zu werden. Jedoch geht das für sie auf keinen Fall, da, wie uns der Ingeneur gestern auch berichtet hat, für sie die Kraftwerke dann nicht rentabel wäre. Die Reparaturkosten wären ganz einfach zu hoch. Das ist schon ein starkes Stück. Deswegen dürfen wir einfach nicht leise sein und ich hoffe, dass die meisten hier draußen es auch so sehen!   Wenn ich sowas immer mitkriege, kann ich kaum mehr stillsitzen und es kommt mir dann so komisch vor, dass ich einfach weiter mache. Die Schule, die Hausaufgaben, meine Freunde, André, die Band, die Geschichten, die ich schreibe, die Bücher, die ich lese, die Musik, die ich höre, die Dinge, über die ich lache, diejenigen, über die ich mir Sorgen mache, diejenigen, über die ich fuchsteufelswild werde und diejenigen, über die ich traurig bin - alles gleichgeblieben. Ich bin auf eine Demo gegangen und werde, so oft wie möglich, mitgehen. Außerdem versuche ich, meine Freunde zu mobilisieren. Noch nie hab ich so hartnäckig versucht, jemanden von etwas zu überzeugen, aber ich muss es offenbar trotzdem noch üben, denn bisher hat es nichts gebracht. Da gibt es manche, die "ihre Prioritäten woanders setzen im Moment" und die doch tatsächlich dem Irrglauben anhängen, auf Social Networks zu schreiben, wie scheiße man das alles fände, würde ausreichen und sei dasselbe wie eine Demosntration auf offener Straße, sodass der Verkehr schlechter weitergeht und die Anwohner aus ihren Häusern kommen (egal, ob sie jetzt begeistert sind, oder sich beschweren, weil sie ihre Ruhe haben wollen). Klar, auch Social Networks können dazu beitragen, etwas zu verändern, aber sie sind eben nur ein kleiner Teil. Auch öffentliche Demos sind nur ein kleiner Teil, aber ich wage zu behaupten, ein wesentlich größerer als Twitter oder Facebook, das man einfach mal eben wegklicken kann, wenn's einem zu blöd wird. Zuviele glauben, in diesen virtuellen Welten würde sich das reale Leben abspielen. Dem ist aber nicht so. Wenn ich so hier sitze, komme ich mir komisch vor, weil es mich trotzdem nicht sonderlich berührt. Es ist eine Kopfsache, aber ich fühle noch zu wenig. Natürlich fühle ich die Wut darüber, was mit diesen Menschen geschieht und dass hier nichts daraus gelernt wird, aber ich fühle sie nur ganz entfernt, sie ist nicht richtig da. Ganz nah sind der Schulstress und die Angst, dass ich mich zu sehr isoliere. Und dann wieder denke ich, dass sind verdammte Luxusprobleme! Vielleicht will ich die ganze Sache auch nicht zu nah an mich herankommen lassen, weil ich Angst habe, dann die Hilflosigkeit zu stark zu spüren. Wird so eine Demo etwas bewirken? Werden die vielen Demos etwas bewirken? Es ist auf jeden Fall besser, als gar nichts zu tun. Aber bringt es etwas, wenn wir anschließend wieder in unseren gut beheizten Häusern verschwinden? Eigentlich, so denke ich manchmal, eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, mein altes Leben zu beenden und ein neues zu beginnen:  Als Aktivist, der AKWs blockiert und sich mit vielen hundert Leuten und einem Geigerzähler an die Schienen stellt, wenn ein Castor-Zug vorbeifährt. Der immer vorort ist, wenn wieder eine Protestaktion stattfindet, der trotzdem da bleibt, auch wenn die Leute von der Polizei verscheucht werden und der kein Problem damit hat, von einem Wasserwerfer umgeworfen zu werden. Einer, der schlechte Schulnoten in Kauf nimmt, weil er lieber zu Protestaktionen geht und für erneuerbare Energien kämpft und der, wenn es mit dem Abi noch möglich ist, das er schreibt, schließlich Journalist wird, um über alles zu berichten, was er in die Finger bekommt und mit Fakten belegen kann. Aber dann muss man sich wieder fragen, was bringt es, immer nur zu protestieren, immer nur gegen alles zu sein und sein Leben komplett dem Protest zu widmen? Dabei macht man sich selbst nicht glücklich und ich persönlich glaube nicht an die Ethik der Linksextremen, der nach nur die Massen zählen. Jedes Individuum ist wichtig und deshalb darf man nie vergessen, auch auf sich selbst zu schauen. Außerdem muss man immer darauf schauen, was eine Aktion für einen bringt. Auch deswegen bin ich nicht dafür, selbst zu aggressiv zu sein und dadurch noch mehr Aggressivität zu schüren.  

Also bleibe ich, wo ich bin und mache weiter, wie bisher. Aber ich schaue, wo es Demos gibt und was man sonst noch tun kann. Wir mögen in vielen Situationen vielleicht hilflos sein - aber wehrlos sind wir nicht! Wir müssen uns nicht zufriedengeben mit den Lippenbekenntnissen der Politiker sondern können uns weiterhin informieren und protestieren. Eins ist klar, wir dürfen nicht still werden, sondern müssen weiter laut sein. Denn im Moment ist nur eins klar: Sicher ist nur das Risiko!   

So, und damit wir nicht alle in Trauer versinken, ein doofer Witz zum Schluss: "Na klar brauch ich nen Geigerzähler! Ich muss doch wissen, wie viele Geiger in meinem Orchester sind

Einen schönen Feierabend weiterhin!

22.3.11 20:56

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